Whey-Protein und Vitamin D verbessern Muskelkraft und Funktion bei COPD| Allgemeines

Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) verlieren häufig beschleunigt an Muskelkraft, Muskelmasse und körperlicher Leistungsfähigkeit. Diese als Sarkopenie bezeichnete Entwicklung kann die Selbstständigkeit und Lebensqualität zusätzlich beeinträchtigen. Ziel der Studie war es, zu untersuchen, ob eine kombinierte Supplementierung mit Whey-Protein und Vitamin D die Muskelkraft und funktionelle Leistungsfähigkeit bei COPD verbessern konnte. Zudem wurden mögliche Veränderungen an der neuromuskulären Verbindung und bei Entzündungsmarkern geprüft.

Methoden
Die randomisierte, doppelblinde, kontrollierte Studie wurde an einem einzelnen Zentrum durchgeführt. Über 16 Wochen erhielten 80 Patienten mit COPD eine Kombination aus Whey-Protein und Vitamin D, während 83 weitere Patienten ein Placebo bekamen. Zusätzlich wurden 75 altersgleiche Personen ohne COPD als Vergleichsgruppe einbezogen.
Vor und nach der Intervention wurden die Handgriffstärke, die Gehgeschwindigkeit und die körperliche Leistungsfähigkeit anhand der Short Physical Performance Battery (SPPB) erfasst. Im Blut bestimmten die Forschenden außerdem das C-terminale Agrinfragment 22 (CAF22) als Marker für die Integrität der neuromuskulären Verbindung sowie die Neurofilament-Leichtkette (NfL) als Marker neurodegenerativer Prozesse. Ergänzend wurden der Vitamin-D-Status und das C-reaktive Protein untersucht.

Ergebnisse
Zu Studienbeginn wiesen die Patienten mit COPD im Vergleich zu den gesunden Kontrollpersonen eine geringere Handgriffstärke, langsamere Gehgeschwindigkeit und niedrigere SPPB-Werte auf. Gleichzeitig waren die Konzentrationen von CAF22 und NfL erhöht.
Nach 16 Wochen verbesserten sich in der Whey-Vitamin-D-Gruppe die Handgriffstärke, die Gehgeschwindigkeit und der Gesamtwert der SPPB signifikant. In der Placebogruppe wurden keine entsprechenden Verbesserungen beobachtet.
Zudem sank unter der Supplementierung die CAF22-Konzentration. Dies deutete auf eine mögliche Stabilisierung oder Erholung der neuromuskulären Verbindung hin. Veränderungen dieses Markers standen mit den Verbesserungen der Muskelkraft und der körperlichen Leistungsfähigkeit in Zusammenhang. Der NfL-Spiegel blieb dagegen unverändert.
Darüber hinaus stieg die 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentration an, während das C-reaktive Protein als Entzündungsmarker abnahm.

Fazit
Die 16-wöchige Kombination aus Whey-Protein und Vitamin D verbesserte bei Patienten mit COPD die Muskelkraft, Gehgeschwindigkeit und körperliche Leistungsfähigkeit. Die Abnahme von CAF22 lieferte zudem Hinweise darauf, dass Veränderungen an der neuromuskulären Verbindung an diesen Effekten beteiligt gewesen sein könnten.
Da Whey-Protein und Vitamin D gemeinsam verabreicht wurden, ließ sich der Beitrag der einzelnen Bestandteile jedoch nicht getrennt beurteilen. Die Ergebnisse sprechen dennoch dafür, dass eine gezielte ernährungsmedizinische Unterstützung bei COPD-bedingter Sarkopenie therapeutisches Potenzial besitzen könnte.

Hinweis zum Versorgungszustand von Vitamin D (Nationale Verzehrsstudie II 2008)
In der Altersgruppe ab dem 19. LJ. erreichen über die normale Ernährung 0 % der Frauen und Männer die Zufuhr-Empfehlung, weshalb den am schlechtesten Versorgten circa 19,2 µg Vitamin D fehlen. (DGE-Empfehlung: 20 µg/Tag)

Qaisar R, Khan IU, Ahmad F, Karim A. 
A Combination of Whey Protein and Vitamin D Reduces Sarcopenia in Patients with Chronic Obstructive Pulmonary Disease. A Randomized Controlled Trial. 
Arch Med Res. 2026 Jun; 57(4):103330