Studie zeigt Informationsdefizite beim Thema Mikronährstoffversorgung in der Schwangerschaft| Allgemeines

Eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen ist während der Schwangerschaft für die Entwicklung des Kindes von großer Bedeutung. Voraussetzung für einen gezielten Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln sind jedoch fundiertes Wissen und eine abgestimmte Kommunikation zwischen Schwangeren und medizinischem Fachpersonal. Ziel der Studie war es, Unterschiede beim Wissen über Mikronährstoffe, bei Einschätzungen zur ausreichenden Versorgung über die Ernährung sowie beim Supplementierungs- und Empfehlungsverhalten zu untersuchen.

Methoden
Zwischen April und November 2024 wurden an einem deutschen Universitätsklinikum zwei parallele Querschnittsbefragungen durchgeführt. Daran nahmen 132 Schwangere sowie 105 Angehörige des Gesundheitswesens teil. Für den direkten Gruppenvergleich wurden 80 vollständig ausgefüllte Fragebögen des Fachpersonals berücksichtigt.
Die anonymen Fragebögen erfassten das Wissen über verschiedene Mikronährstoffe, die Einschätzung, ob eine ausreichende Zufuhr allein über die Ernährung möglich sei, sowie die tatsächliche Einnahme beziehungsweise Empfehlung von Supplementen. Zudem wurden die bevorzugten Informationsquellen erhoben.

Ergebnisse
Das medizinische Fachpersonal verfügte bei den meisten untersuchten Mikronährstoffen über ein höheres Wissen. Besonders ausgeprägt waren die Unterschiede bei Vitamin B12: 53 % der Schwangeren konnten keine Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung nennen, verglichen mit 20 % des Fachpersonals.
Auch bei der Einschätzung der Versorgung bestanden Unterschiede. Während die Ansichten zu Folsäure und Vitamin D weitgehend übereinstimmten, hielten 79,2 % der Fachkräfte eine ausreichende Vitamin-B12-Zufuhr über die Ernährung für möglich, gegenüber 47,3 % der Schwangeren.
Deutliche Abweichungen zeigten sich zudem zwischen der von Schwangeren berichteten Einnahme und dem vom Fachpersonal angegebenen Empfehlungsverhalten. So supplementierten 70 % der Schwangeren Vitamin B12, während nur 3,8 % der Fachkräfte angaben, dieses zu empfehlen. Auch Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und Folsäure wurden von den Schwangeren häufiger eingenommen, als sie nach Angaben des Fachpersonals empfohlen wurden.
Als Informationsquelle nannten 89,4 % der Schwangeren das Internet. Auch beim medizinischen Fachpersonal spielten Online-Ressourcen eine wichtige Rolle, wurden dort jedoch überwiegend für den Zugang zu wissenschaftlichen und professionellen Informationen genutzt.

Fazit
Die Studie zeigte deutliche Unterschiede zwischen Schwangeren und medizinischem Fachpersonal hinsichtlich Mikronährstoffwissen, Einschätzung des Versorgungsbedarfs und Supplementierungspraxis. Besonders auffällig waren die Diskrepanzen bei Vitamin B12 und Vitamin D. Da die Untersuchung auf Selbstauskünften aus einem einzelnen universitären Zentrum beruhte, lassen sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf alle Schwangeren und Fachkräfte übertragen. Sie unterstreichen jedoch den Bedarf an einer strukturierten, evidenzbasierten Kommunikation über Mikronährstoffe und Nahrungsergänzungsmittel während der Schwangerschaft.

Hinweis zum Versorgungszustand von Vitamin D (Nationale Verzehrsstudie II 2008)
In der Altersgruppe ab dem 19. LJ. erreichen über die normale Ernährung 0 % der Frauen und Männer die Zufuhr-Empfehlung, weshalb den am schlechtesten Versorgten circa 19,2 µg Vitamin D fehlen. (DGE-Empfehlung: 20 µg/Tag)

Hentrich AE, Brüggmann D, Hoock SC, Jennewein L, Louwen F, Deuster E. 
Differences in Micronutrient Knowledge, Beliefs, and Supplementation Practices Between Pregnant Women and Healthcare Providers: A Cross-Sectional Study.
Nutrients. 2026 Jun; 18(12):1934.