Schwere Hautreaktionen durch Chemotherapie oder Strahlentherapie können für Betroffene sehr belastend sein und mitunter zu Unterbrechungen der Krebsbehandlung führen. Hochdosiertes orales Vitamin D wird in experimentellen Modellen und kleineren Studien als rasch wirkender immunmodulierender Ansatz diskutiert. Belastbare klinische Daten bei onkologischen Patienten sind jedoch bislang begrenzt. Ziel der vorliegenden Fallserie war es, das klinische Ansprechen, die Sicherheit und die Zeit bis zur Besserung nach hochdosierter Vitamin-D-Gabe bei toxischem Chemotherapie-Erythem und akuter Strahlendermatitis zu untersuchen.
Methoden
Die retrospektive multizentrische Fallserie umfasste 33 Patienten, die zwischen Dezember 2021 und Januar 2024 an drei akademischen medizinischen Zentren behandelt worden waren. Eingeschlossen wurden Personen mit toxischem Chemotherapie-Erythem oder akuter Strahlendermatitis, die hochdosiertes Vitamin D erhalten hatten und mindestens zehn Tage nachbeobachtet wurden.
Die Patienten erhielten eine oder zwei orale Dosen von jeweils 100.000 Internationalen Einheiten Cholecalciferol oder Ergocalciferol. Als zentrale Endpunkte wurden die Zeit bis zur subjektiven Symptomlinderung und die ärztlich beurteilte Besserung der Hautrötung erfasst. Zusätzlich wurden Veränderungen des Serumcalciums und die Fortführung der onkologischen Therapie dokumentiert.
Ergebnisse
Von den 33 Patienten hatten 28 ein toxisches Chemotherapie-Erythem und fünf eine akute Strahlendermatitis. Innerhalb von zehn Tagen berichteten 26 von 30 auswertbaren Patienten über eine subjektive Linderung der Beschwerden. Die mediane Zeit bis zur Besserung betrug insgesamt fünf Tage, bei stationär behandelten Patienten drei Tage.
Auch die objektive Hautrötung nahm deutlich ab. Der mittlere Erythem-Score verringerte sich von 4,36 zu Studienbeginn auf 2,21 nach zehn Tagen. Besonders schnelle Verbesserungen wurden bei bestimmten entzündlichen oder schweren Hautreaktionsformen beobachtet.
Es wurden keine relevanten Veränderungen der Serumcalciumwerte festgestellt. 24 von 33 Patienten konnten ihre Krebstherapie ohne Unterbrechung fortsetzen. Behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse wurden in der Fallserie nicht berichtet.
Fazit
Die Fallserie liefert Hinweise darauf, dass hochdosiertes orales Vitamin D bei schweren therapiebedingten Hautreaktionen im onkologischen Kontext mit einer raschen subjektiven und objektiven Besserung verbunden sein könnte. Gleichzeitig wurden keine behandlungsbedingten Nebenwirkungen oder relevanten Calciumveränderungen beobachtet.
Randomisierte kontrollierte Studien sind erforderlich, um Nutzen, Sicherheit, geeignete Patientengruppen und optimale Dosierung dieses supportiven Ansatzes genauer zu prüfen.
Hinweis zum Versorgungszustand von Vitamin D (Nationale Verzehrsstudie II 2008)
In der Altersgruppe ab dem 19. LJ. erreichen über die normale Ernährung 0 % der Frauen und Männer die Zufuhr-Empfehlung, weshalb den am schlechtesten Versorgten circa 19,2 µg Vitamin D fehlen. (DGE-Empfehlung: 20 µg/Tag)
Patil MK, Sakunchotpanit G, Toulmin SA, Braun N, Milosavljevic S, Ezzeddine FL, Rohan TZ, Wyant WA, Guggina LM, Nambudiri VE, Iriarte C.
High-Dose Oral Vitamin D for Toxic Effects of the Skin Associated With Chemotherapy and Radiation.
JAMA Dermatol. 2026 Jul; e262267:doi:10.1001.

