Vitamin D könnte das Ansprechen auf neoadjuvante Chemotherapie unterstützen| Allgemeines

Ein ausreichender Vitamin-D-Status wird mit verschiedenen immunologischen und zellulären Prozessen in Verbindung gebracht, die auch für die Tumorbiologie relevant sein könnten. Unklar war bislang, ob eine Vitamin-D-Supplementierung das Ansprechen auf eine neoadjuvante Chemotherapie bei Brustkrebs beeinflussen kann. Ziel der Studie war es, den Effekt einer täglichen Vitamin-D-Gabe auf die Rate pathologischer Komplettremissionen zu untersuchen.

Methoden
In die randomisierte klinische Studie wurden 80 Frauen ab 45 Jahren mit Brustkrebs eingeschlossen, die für eine neoadjuvante Chemotherapie vorgesehen waren. Die Teilnehmerinnen erhielten über sechs Monate entweder täglich 2.000 I.E. Cholecalciferol oder ein Placebo.
Primärer Endpunkt war die pathologische Komplettremission, also das vollständige Fehlen invasiver Tumorzellen im untersuchten Operationsgewebe nach Abschluss der Chemotherapie. Zusätzlich wurden die Serumspiegel von 25-Hydroxyvitamin D zu Studienbeginn und nach der Behandlung bestimmt.

Ergebnisse
Zu Studienbeginn wiesen beide Gruppen im Mittel niedrige Vitamin-D-Spiegel auf. Nach sechs Monaten lagen die 25(OH)D-Werte in der Vitamin-D-Gruppe signifikant höher als in der Placebogruppe.
Von den 75 Frauen, die die Chemotherapie abschlossen und operiert wurden, erreichten 43 % in der Vitamin-D-Gruppe eine pathologische Komplettremission, verglichen mit 24 % unter Placebo. Der Unterschied war statistisch signifikant.
Auch in der adjustierten Analyse war ein 25(OH)D-Spiegel von mindestens 20 ng/mL mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine pathologische Komplettremission verbunden.

Fazit
Die Studie zeigte, dass eine sechsmonatige Supplementierung mit 2.000 I.E. Vitamin D täglich bei Brustkrebspatientinnen unter neoadjuvanter Chemotherapie mit einer höheren Rate pathologischer Komplettremissionen verbunden war.
Aufgrund der kleinen Studienpopulation sollten die Ergebnisse jedoch vorsichtig interpretiert werden. Größere randomisierte Studien sind erforderlich, um zu bestätigen, ob Vitamin D das Therapieansprechen tatsächlich verbessert und ob sich daraus auch Vorteile für Rückfallrisiko oder Langzeitüberleben ergeben.


Hinweis zum Versorgungszustand von Vitamin D (Nationale Verzehrsstudie II 2008)

In der Altersgruppe ab dem 19. LJ. erreichen über die normale Ernährung 0 % der Frauen und Männer die Zufuhr-Empfehlung, weshalb den am schlechtesten Versorgten circa 19,2 µg Vitamin D fehlen. (DGE-Empfehlung: 20 µg/Tag)

Omodei MS, Chimicoviaki J, Buttros DAB, Almeida-Filho BS, Carvalho-Pessoa CP, Carvalho-Pessoa E, Vespoli HL, Nahas EAP.
Vitamin D Supplementation Improves Pathological Complete Response in Breast Cancer Patients Undergoing Neoadjuvant Chemotherapy: A Randomized Clinical Trial. 
Nutr Cancer. 2025; 77(6):648-657.