Cranberry und Fosfomycin: Hinweise auf synergistische Effekte gegen UPEC| Allgemeines

Uropathogene Escherichia coli (UPEC) sind die häufigste Ursache von Harnwegsinfektionen. Mit zunehmender Antibiotikaresistenz wächst das Interesse an ergänzenden Strategien, die die Wirksamkeit bestehender Antibiotika erhalten oder verstärken könnten. Fosfomycin wird häufig bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen eingesetzt, kann jedoch durch Veränderungen bakterieller Transportsysteme an Wirksamkeit verlieren. Ziel der Studie war es, zu untersuchen, ob Cranberrysaft die antibakterielle Wirkung von Fosfomycin beeinflusst und die Entstehung spontaner Resistenzen verringern kann.

Methoden
Untersucht wurden 32 klinische UPEC-Isolate. Die Forschenden analysierten, wie sich Cranberrysaft auf die Hemmwirkung von Fosfomycin und auf die Häufigkeit spontan auftretender resistenter Mutanten auswirkte.
Zusätzlich wurden resistent gewordene Bakterien genetisch sequenziert, um zugrunde liegende Mutationen zu identifizieren. Mithilfe von Reporter-Assays wurde außerdem untersucht, wie Cranberrysaft die Expression bakterieller Transportsysteme beeinflusste, die für die Aufnahme von Fosfomycin wichtig sind.

Ergebnisse
Bei 72 % der getesteten UPEC-Isolate verstärkte Cranberrysaft die antibakterielle Wirkung von Fosfomycin signifikant. Gleichzeitig sank die Häufigkeit spontan entstehender fosfomycinresistenter Mutanten teils um bis zu fünf Größenordnungen.
Die genetischen Analysen zeigten unterschiedliche Resistenzmuster. Ohne Cranberrysaft traten vor allem Mutationen im glpT-Transportweg auf. Unter Cranberryeinfluss verschob sich das Muster dagegen in Richtung uhpT und verwandter Regulationsgene.
Die funktionellen Untersuchungen deuteten darauf hin, dass Cranberrysaft die glpT-Expression unterdrückte, während die Fosfomycinaufnahme über UhpT erhalten blieb. Dadurch konnte der Antibiotikaeintritt in die Bakterienzelle offenbar aufrechterhalten werden.

Fazit
Die Laborstudie zeigte, dass Cranberrysaft die Fosfomycin-Empfindlichkeit von UPEC verstärken und gleichzeitig das Auftreten spontaner Resistenzen deutlich reduzieren konnte.
Die Ergebnisse liefern einen interessanten mechanistischen Hinweis auf eine mögliche unterstützende Rolle von Cranberry bei der Antibiotikatherapie von Harnwegsinfektionen. Da es sich jedoch um eine In-vitro-Studie handelte, lässt sich daraus noch keine klinische Empfehlung ableiten. Kontrollierte Studien am Menschen sind notwendig, um zu prüfen, ob dieser Effekt auch unter realen Therapiebedingungen relevant ist.

Groleau M-C, Houle S, Quevedo AC, McKay G, Nguyen D, Dozois CM, Tufenkji N, Déziel E. 
Cranberry juice potentiates sensitivity of uropathogenic Escherichia coli (UPEC) strains to fosfomycin and decreases occurrence of spontaneous resistance. 
Appl Environ Microbiol. 2026 Mai; 92(5):e0252125.