Der mögliche Zusammenhang zwischen der mütterlichen Einnahme von Folsäure und Multivitaminpräparaten während der Schwangerschaft und dem Risiko für Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) bei Kindern wurde bereits in mehreren Übersichtsarbeiten untersucht. Die Ergebnisse dieser Analysen waren bislang jedoch uneinheitlich. Ziel des vorliegenden Umbrella-Reviews war es daher, die vorhandene Evidenz aus systematischen Übersichtsarbeiten und Metaanalysen zusammenzuführen und den Zusammenhang zwischen pränataler Supplementierung und dem ASS-Risiko der Nachkommen umfassend zu bewerten.
Methoden
Die Autoren führten eine Umbrella-Review gemäß den PRISMA-Leitlinien durch. Berücksichtigt wurden systematische Reviews und Metaanalysen, die in den Datenbanken PubMed, Scopus, Web of Science und Google Scholar identifiziert wurden. Die methodische Qualität der eingeschlossenen Arbeiten wurde mithilfe des AMSTAR-Instruments bewertet. Zur Berechnung der gepoolten Effekte kam ein Random-Effects-Modell mit inverser Varianzgewichtung zum Einsatz. Die Ergebnisse wurden als relative Risiken mit 95-%-Konfidenzintervallen angegeben. Zusätzlich erfolgten Subgruppen- und Sensitivitätsanalysen sowie Untersuchungen zur Heterogenität und zu möglichen Publikationsverzerrungen.
Ergebnisse
In die Analyse flossen acht systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen ein, die insgesamt 101 Primärstudien mit mehr als drei Millionen Mutter-Kind-Paaren umfassten. Die pränatale Einnahme von Folsäure und/oder Multivitaminpräparaten war mit einem um etwa 30 % verringerten Risiko für Autismus-Spektrum-Störungen bei den Nachkommen assoziiert. Die Subgruppenanalyse zeigte, dass eine Supplementierung mit Multivitaminpräparaten während der Schwangerschaft mit einer Risikoreduktion von 34 % verbunden war. Auch eine alleinige Folsäureeinnahme ging mit einer vergleichbaren Verringerung des ASS-Risikos um rund 30 % einher.
Fazit
Die zusammengefassten Daten deuteten darauf hin, dass die pränatale Supplementierung mit Folsäure und Multivitaminpräparaten mit einem geringeren Risiko für Autismus-Spektrum-Störungen bei Kindern verbunden war. Diese Ergebnisse unterstreichen die potenzielle Bedeutung einer angemessenen Mikronährstoffversorgung während der Schwangerschaft und könnten relevante Implikationen für Präventionsstrategien im Bereich der öffentlichen Gesundheit haben.
Hinweis zum Versorgungszustand von Folsäure (Nationale Verzehrsstudie II 2008)
In der Altersgruppe vom 19. - 80. LJ. erreichen weniger als 50 % der Männer und Frauen die Zufuhrempfehlung. Den am schlechtesten versorgten Männern und Frauen fehlen circa 150 - 180 µg Folsäure.
(DGE-Empfehlung 300 µg/Tag)
Abate BB, Tusa BS, Sendekie AK, Temesgen D, Mekuria K, Alamaw AW, Azmeraw M, Zemariam AB, Kitaw TA, Kassaw A, Abebe GK, Tilahun BD, Yilak G, Adisu MA, Dachew B.
The association between maternal prenatal folic acid and multivitamin supplementation and autism spectrum disorders in offspring: An umbrella review.
PLoS One. 2025 Nov; 20(11):e0334852

