Mütterlicher Vitamin-D-Status als Schutzfaktor vor frühkindliche Karies| Allgemeines

Der Vitamin-D-Status der Mutter während der Schwangerschaft wurde in mehreren Studien mit der Zahngesundheit von Kindern in Verbindung gebracht, insbesondere mit dem Auftreten frühkindlicher Karies (Early Childhood Caries, ECC). Trotz wiederholter Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang waren die bisherigen Ergebnisse nicht einheitlich. Ziel der vorliegenden Kohortenstudie war es daher, den Zusammenhang zwischen mütterlichen Vitamin-D-Spiegeln in verschiedenen Schwangerschaftsdritteln und dem Kariesrisiko der Nachkommen systematisch zu untersuchen.

Methodik
Die Analyse basierte auf Daten der prospektiven Zhoushan-Pregnant-Women -Cohort in China. Schwangere Frauen wurden zwischen 2011 und 2021 rekrutiert und ihre Kinder bis Ende 2022 nachverfolgt. Gemessen wurden die mütterlichen Plasmawerte von 25-Hydroxyvitamin D (25[OH]D) im ersten, zweiten und dritten Trimenon sowie das Vorliegen eines Vitamin-D-Mangels. Als primärer Endpunkt galt das Auftreten frühkindlicher Karies. Zusätzlich wurden der dmft-Index (Index für kariöse, fehlende oder gefüllte Zähne, wobei der Kleinbuchstabe angibt, dass es sich um das Milchgebiss und nicht um das bleibende Gebiss handelt) sowie die Kariesrate (das Verhältnis von dmft zur Anzahl der durchgebrochenen Zähne) erfasst. Die statistische Auswertung erfolgte unter anderem mittels logistischer Regression, Cox-Regressionsmodellen und generalisierten Schätzgleichungen, wobei Anpassungen für multiple Tests vorgenommen wurden.

Ergebnisse
Insgesamt wurden 4.109 Mutter-Kind-Paare in die Auswertung eingeschlossen. Bei 960 Kindern wurde frühkindliche Karies diagnostiziert, während 3.149 Kinder kariesfrei blieben. Höhere mütterliche 25(OH)D-Spiegel waren in allen drei Trimenonen mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für ECC bei den Nachkommen assoziiert. Dieser inverse Zusammenhang zeigte sich sowohl in logistischen Regressionsanalysen als auch in zeitabhängigen Modellen. Subgruppenanalysen deuteten darauf hin, dass Kinder von Müttern mit Vitamin-D-Insuffizienz oder -Mangel häufiger von Karies betroffen waren als Kinder von Frauen mit ausreichender Versorgung, auch wenn einzelne Zusammenhänge nach statistischer Korrektur abgeschwächt waren. Darüber hinaus gingen höhere Vitamin-D-Spiegel im dritten Trimenon mit niedrigeren dmft-Werten und einer geringeren Kariesrate einher, was auf eine reduzierte Karieslast hindeutete.

Fazit
Die Ergebnisse dieser Kohortenstudie zeigten, dass höhere mütterliche Vitamin-D-Spiegel während der gesamten Schwangerschaft mit einem geringeren Risiko und einer geringeren Ausprägung frühkindlicher Karies bei den Nachkommen verbunden waren. Die Befunde stützten damit die Annahme, dass eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung vor oder während der Schwangerschaft zur Prävention kindlicher Zahnerkrankungen beitragen könnte.


Hinweis zum Versorgungszustand von Vitamin D (Nationale Verzehrsstudie II 2008)
In der Altersgruppe ab dem 19. LJ. erreichen über die normale Ernährung 0 % der Frauen und Männer die Zufuhr-Empfehlung, weshalb den am schlechtesten Versorgten circa 19,2 µg Vitamin D fehlen. (DGE-Empfehlung: 20 µg/Tag)

Xu N, Chen Z, Wang B, Qiu Y, Alifu X, Zhou H, Cheng H, Huang Y, Zhang L, Liu H, Yu L, Chen D, Yu Y. 
Vitamin D Levels During Pregnancy and Dental Caries in Offspring. 
JAMA Netw Open. 2025 Dezember; 8(12):e2546166