Folsäure gilt als wesentlicher Faktor für die DNA-Synthese, Reparatur und Methylierung und spielt damit eine zentrale Rolle in der frühen fetalen Entwicklung. Während die Bedeutung einer perikonzeptionellen Supplementierung gut dokumentiert ist, lagen bislang nur wenige bevölkerungsbasierte Daten dazu vor, wie sich die Einnahme während verschiedener Phasen der Schwangerschaft auf die Plazentaentwicklung auswirkt. Die vorliegende Studie widmete sich daher der Frage, ob und in welchem Ausmaß Folsäure die Struktur der Plazenta beeinflusst.
Methodik
In die Untersuchung wurden 2.708 Schwangere aus Ma’anshan (China) eingeschlossen, die zwischen 2013 und 2014 rekrutiert worden waren. Erfasst wurde der Zeitraum der Folsäureeinnahme – von einem Monat vor der Empfängnis bis zur Geburt. Bei der Entbindung wurden Plazentalänge, -breite und -dicke gemessen. Multivariable logistische Regressionsmodelle dienten dazu, Zusammenhänge zwischen Supplementation und plazentabezogenen Parametern zu analysieren. Um Verzerrungen zu minimieren, kam ergänzend ein Propensity-Score-Weighting zum Einsatz, das die Vergleichbarkeit der verschiedenen Einnahmegruppen erhöhte.
Ergebnisse
Frauen, die bereits vor der Empfängnis Folsäure genutzt hatten, wiesen im Vergleich zu Nichtnutzerinnen eine größere Plazentabreite sowie eine größere Plazentafläche auf. Die Breite nahm im Mittel um rund 0,24 cm zu, die Fläche um etwa 6,4 cm2. Eine Supplementation in der frühen bzw. mittleren Schwangerschaft hing dagegen vor allem mit einer leicht erhöhten Plazentadicke zusammen. Die gemessene Zunahme lag jeweils bei rund 0,06 cm.
Fazit
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Folsäure zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Schwangerschaft verschiedene Aspekte der Plazentaentwicklung beeinflusst: Vor der Empfängnis schien sie Breite und Fläche zu vergrößern, während eine spätere Einnahme eher mit einer stärkeren Dicke verbunden war. Da es sich um Beobachtungsdaten handelt, sind weitere Studien notwendig, um diese Zusammenhänge zu bestätigen und ihre klinische Bedeutung besser einzuordnen.
Hinweis zum Versorgungszustand von Folsäure (Nationale Verzehrsstudie II 2008)
In der Altersgruppe vom 19. - 80. LJ. erreichen weniger als 50 % der Männer und Frauen die Zufuhrempfehlung. Den am schlechtesten versorgten Männern und Frauen fehlen circa 150 - 180 µg Folsäure.
(DGE-Empfehlung 300 µg/Tag)
Ren Y, Yang M, Ren S, Ge Z, Cao Y, Qin X, Sheng J, Wang S.
Placenta-Related Parameters at Delivery in Relation to Folic Acid Supplementation in Different Pregnancies.
Nutrients. 2024 Mai; 16(11):1729.

