Eine chemotherapieinduzierte periphere Neuropathie (CIPN) ist eine häufige Nebenwirkung bestimmter Krebsmedikamente. Sie kann sich unter anderem durch Taubheitsgefühle, Kribbeln, Schmerzen und funktionelle Einschränkungen äußern. Ziel der Studie war es, zu untersuchen, ob oral eingenommenes Vitamin B12 das Auftreten solcher Nervenschädigungen bei Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen verringern konnte.
Methoden
An der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie nahmen 40 Patientinnen teil, die eine potenziell nervenschädigende Chemotherapie erhielten. Die meisten wurden mit einer Kombination aus einem Taxan und Carboplatin behandelt, ein kleinerer Anteil mit einem Taxan und Cisplatin.
Die Patientinnen erhielten ab Beginn der Chemotherapie entweder Cyanocobalamin oder ein Placebo. Laut Studienprotokoll wurden zweimal täglich jeweils zwei Tabletten mit einer angegebenen Vitamin-B12-Dosis von 500 µg verabreicht. Die Einnahme wurde bis vier Wochen nach Abschluss von sechs Chemotherapiezyklen fortgeführt.
Das Auftreten einer peripheren Neuropathie wurde mit dem Patient Neurotoxicity Questionnaire erfasst. Zusätzlich untersuchten die Forschenden die neurotoxizitätsbezogene Lebensqualität und mögliche Nebenwirkungen zu mehreren Zeitpunkten während und nach der Chemotherapie.
Ergebnisse
Eine klinisch relevante periphere Neuropathie trat in der Vitamin-B12-Gruppe bei 5 % und in der Placebogruppe bei 20 % der Patientinnen auf. Der Unterschied war statistisch signifikant und entsprach einer geringeren Wahrscheinlichkeit für eine CIPN unter Vitamin B12.
Bei der neurotoxizitätsbezogenen Lebensqualität zeigten sich hingegen keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Auch hinsichtlich unerwünschter Wirkungen wurden keine relevanten Abweichungen festgestellt.
Fazit
Die Studie lieferte erste Hinweise darauf, dass oral verabreichtes Vitamin B12 das Risiko einer chemotherapieinduzierten peripheren Neuropathie bei Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen senken könnte. Ein messbarer Vorteil für die Lebensqualität wurde jedoch nicht festgestellt.
Aufgrund der kleinen Stichprobe mit lediglich 40 Teilnehmerinnen sollten die Ergebnisse zurückhaltend interpretiert werden. Größere klinische Studien sind notwendig, bevor eine allgemeine Empfehlung zur vorbeugenden Einnahme von Vitamin B12 während einer neurotoxischen Chemotherapie abgeleitet werden kann.
Insin P, Chaiwongsa T, Prueksaritanond N.
Oral Vitamin B12 versus Placebo for the Prevention of Chemotherapy-Induced Peripheral Neuropathy in Gynecological Cancer Patients: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial.
Asian Pac J Cancer Prev. 2026 Mai; 27(5):1747-1756

