Infertilität betrifft weltweit etwa 17,5 % der Menschen im reproduktiven Alter. Neben etablierten reproduktionsmedizinischen Verfahren werden zunehmend Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt, um ovarielle Funktionen zu unterstützen und Schwangerschaftsraten zu verbessern. Die Wirksamkeit dieser ergänzenden Strategien war bislang jedoch nicht eindeutig geklärt. Ziel der vorliegenden Untersuchung war eine systematische und vergleichende Bewertung verschiedener Supplemente.
Methoden
Bis April 2025 wurden relevante randomisierte Studien in mehreren internationalen Datenbanken identifiziert. Die methodische Qualität wurde mithilfe des Cochrane Risk-of-Bias-Tools 2.0 beurteilt.
Die statistische Auswertung erfolgte als Bayes’sche Netzwerk-Metaanalyse, wodurch direkte und indirekte Vergleiche zwischen unterschiedlichen Supplementen möglich waren. Als Effektmaße dienten Risikoverhältnisse beziehungsweise mittlere Differenzen mit 95%-Glaubwürdigkeitsintervallen. Zusätzlich wurde die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz systematisch eingeschätzt.
Ergebnisse
In die Analyse wurden 30 Studien mit 3.977 Patientinnen eingeschlossen. Dabei zeigten sich je nach Supplement unterschiedliche Schwerpunkte.
Die Kombination aus Probiotika und Vitamin D war mit der höchsten Steigerung der klinischen Schwangerschaftsrate assoziiert (RR 1,29), wenngleich die Evidenz als niedrig bewertet wurde. Curcumin verbesserte sowohl die Zahl gewonnener Eizellen als auch die Befruchtungsrate und zeigte den stärksten Effekt auf reife MII-Oozyten – bei insgesamt sehr niedriger Evidenzqualität. Astaxanthin erhöhte die Anzahl qualitativ hochwertiger Embryonen, ebenfalls bei eingeschränkter Datenlage.
Ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko wurde für keines der untersuchten Supplemente festgestellt. Insgesamt deuteten die Ergebnisse auf potenzielle Vorteile insbesondere für Kombinationen mit Vitamin D sowie antioxidative Substanzen wie Coenzym Q10, Astaxanthin und Curcumin hin – bei insgesamt begrenzter Evidenzsicherheit.
Fazit
Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel zeigten günstige Effekte auf ovarielle Parameter und Schwangerschaftsraten. Besonders die Kombination aus Probiotika mit Vitamin D sowie antioxidativ wirksame Substanzen erwiesen sich als vielversprechend. Aufgrund der teilweise niedrigen Evidenzqualität erscheinen weitere hochwertige Studien notwendig, um die klinische Relevanz dieser Supplementstrategien verlässlich zu beurteilen.
Hinweis zum Versorgungszustand von Vitamin D (Nationale Verzehrsstudie II 2008)
In der Altersgruppe ab dem 19. LJ. erreichen über die normale Ernährung 0 % der Frauen und Männer die Zufuhr-Empfehlung, weshalb den am schlechtesten Versorgten circa 19,2 µg Vitamin D fehlen. (DGE-Empfehlung: 20 µg/Tag)
Du J, Liu J, Liu Q, Li C, Zhu H, Ji R, Shang Z, Zheng X, Yang J.
Efficacy and safety of nutritional supplements in female infertility: a network meta-analysis.
Reprod Biol Endocrinol. 2025 November; 23(1):146

