Immunregulation und Mikronährstoffe: Ein unterschätzter Therapieansatz| Allgemeines

Autoimmunerkrankungen sind durch chronische Entzündungsprozesse und eine fehlgeleitete Immunantwort gekennzeichnet, die zu Gewebeschäden führen. Neben genetischen und umweltbedingten Faktoren rücken zunehmend auch Mikronährstoffmängel als möglicher Einflussfaktor in den Fokus. Ziel dieser Übersichtsarbeit war es, die Bedeutung ausgewählter essenzieller Mikronährstoffe für Immunregulation und Krankheitsverlauf bei Autoimmunerkrankungen systematisch darzustellen.

Methoden
Die Arbeit analysierte die vorhandene Literatur zu den immunologischen Wirkungen von Vitamin D, Vitamin B12, Folsäure und Eisen. Im Mittelpunkt standen deren Effekte auf Immunzellen, Entzündungsprozesse und immunologische Toleranzmechanismen. Berücksichtigt wurden unter anderem rheumatoide Arthritis, autoimmune Schilddrüsenerkrankungen, Multiple Sklerose, systemischer Lupus erythematodes sowie weitere Bindegewebserkrankungen.

Ergebnisse
Mikronährstoffdefizite traten bei Patientinnen und Patienten mit Autoimmunerkrankungen häufig auf und waren mit verstärkter Immunfehlregulation, erhöhter Entzündungsaktivität und schwererem Krankheitsverlauf assoziiert.
Vitamin D zeigte eine zentrale Rolle bei der Modulation angeborener und adaptiver Immunantworten sowie bei der Dämpfung entzündlicher Prozesse. Eisen und Folsäure erwiesen sich als essenziell für Proliferation und Funktion von Immunzellen. Vitamin B12 war insbesondere für Methylierungsprozesse und die genomische Stabilität von Bedeutung.
Ein Mangel dieser Mikronährstoffe könnte somit zur Aufrechterhaltung entzündlicher Aktivität und zur Progression autoimmuner Prozesse beitragen.

Fazit
Mikronährstoffmängel können Pathogenese und Verlauf autoimmuner Erkrankungen wesentlich beeinflussen. Ein routinemäßiges Screening sowie eine gezielte Supplementierung könnten als ergänzende Maßnahme zur konventionellen Therapie erwogen werden. Zur Festlegung optimaler Dosierungen und zur Identifikation besonders profitierender Patientengruppen sind jedoch weitere Studien erforderlich.

Hinweis zum Versorgungszustand von Vitamin D (Nationale Verzehrsstudie II 2008)
In der Altersgruppe ab dem 19. LJ. erreichen über die normale Ernährung 0 % der Frauen und Männer die Zufuhr-Empfehlung, weshalb den am schlechtesten Versorgten circa 19,2 µg Vitamin D fehlen. (DGE-Empfehlung: 20 µg/Tag)

Hinweis zum Versorgungszustand von Folsäure (Nationale Verzehrsstudie II 2008)
In der Altersgruppe vom 19. - 80. LJ. erreichen weniger als 50 % der Männer und Frauen die Zufuhrempfehlung. Den am schlechtesten versorgten Männern und Frauen fehlen circa 150 - 180 µg Folsäure. 
(DGE-Empfehlung 300 µg/Tag)

Triggianese P, Ramirez GA, Cedola F, Nicola S, Costanzo G, Brussino L, Chiereghin F, Firinu D, Della-Morte D, Milito C et al. 
Micronutrients in autoimmune diseases: shining a light on vitamin D, cobalamin, folate, and iron metabolism. 
Nutrients. 2026 Februar; 18(4):561