Die frühe Demenz, die vor dem 65. Lebensjahr beginnt, stellt Betroffene und Gesundheitssysteme vor besondere Herausforderungen. Dennoch ist bislang wenig darüber bekannt, welche beeinflussbaren Faktoren das Risiko für diese Form der Erkrankung erhöhen. Eine groß angelegte Kohortenstudie aus dem Vereinigten Königreich ging dieser Frage nach und untersuchte eine Vielzahl potenzieller Risikodeterminanten.
Methoden
Die prospektive Analyse basierte auf Daten der UK Biobank. Eingeschlossen wurden über 350.000 Erwachsene unter 65 Jahren ohne vorbestehende Demenz. Zu Beginn erfasste die Studie 39 mögliche Risikofaktoren aus Bereichen wie Lebensstil, Umwelt, Stoffwechselgesundheit, Genetik sowie psychische und soziale Faktoren. Die Teilnehmenden wurden bis zu 15 Jahre nachverfolgt. Mittels multivariater Cox-Regression wurde geprüft, welche Faktoren unabhängig mit dem Auftreten einer jungen Demenzform assoziiert waren.
Ergebnisse
Während der Nachbeobachtung traten 485 Fälle einer früh einsetzenden Demenz auf – entsprechend einer Inzidenz von 16,8 pro 100.000 Personenjahren. Im finalen Modell zeigten sich 15 Variablen, die das Erkrankungsrisiko deutlich erhöhten. Dazu gehörten ein geringes Bildungsniveau, sozioökonomische Benachteiligung und das Vorliegen zweier ApoE-ε4-Allele. Ebenso waren verschiedene Lebensstil- und Gesundheitsmerkmale relevant: völliger Alkoholverzicht oder Alkoholmissbrauch, soziale Isolation, Vitamin-D-Mangel, erhöhte CRP-Werte, eine geringe Handkraft, Hörbeeinträchtigungen sowie orthostatische Hypotonie. Auch vaskuläre und metabolische Erkrankungen wie Schlaganfall, Diabetes und Herzleiden sowie depressive Symptome gingen mit einem höheren Risiko einher.
Fazit
Die Studie zeigte, dass ein Großteil der Faktoren, die mit einem erhöhten Risiko für früh einsetzende Demenz verbunden sind, beeinflussbar ist. Dies eröffnet neue Ansatzpunkte für präventive Strategien – von der Stärkung sozialer Teilhabe über die Förderung gesunder Lebensgewohnheiten bis hin zur konsequenten Behandlung kardiometabolischer Erkrankungen.
Hinweis zum Versorgungszustand von Vitamin D (Nationale Verzehrsstudie II 2008)
In der Altersgruppe ab dem 19. LJ. erreichen über die normale Ernährung 0 % der Frauen und Männer die Zufuhr-Empfehlung, weshalb den am schlechtesten Versorgten circa 19,2 µg Vitamin D fehlen. (DGE-Empfehlung: 20 µg/Tag)
Hendriks S, Ranson JM, Peetoom K, Lourida I, Tai XY, de Vugt M, Llewellyn DJ, Köhler S.
Risk Factors for Young-Onset Dementia in the UK Biobank.
JAMA Neurol. 2024 Feb; 81(2):134-142.

