Rezidivierende unkomplizierte Zystitiden zählen zu den häufigsten Infektionen bei Frauen. Oxidativer Stress wird als ein möglicher Faktor diskutiert, der die Schleimhautbarriere und das urotheliale Milieu beeinträchtigen kann. Antioxidative Mikronährstoffe wie Vitamin E werden daher ergänzend zur antibiotischen Therapie eingesetzt. Ziel der vorliegenden Studie war es, den Einfluss einer Vitamin-E-Supplementierung auf Symptomverlauf und Rezidivhäufigkeit bei Frauen mit unteren Harnwegsinfektionen zu untersuchen.
Methoden
In diese randomisierte klinische Studie wurden 88 Frauen über 18 Jahre mit diagnostizierter unterer Harnwegsinfektion eingeschlossen. Alle Patientinnen erhielten initial eine dreitägige antibiotische Therapie mit Cefixim (400 mg/Tag).
Die Kontrollgruppe erhielt zusätzlich ein Placebo, während die Interventionsgruppe täglich 100 I.E. Vitamin E einnahm – fortgeführt über sechs Monate.
Die klinische Beurteilung erfolgte nach 3-5 Tagen sowie nach drei und sechs Monaten. Erfasst wurden typische Symptome wie Pollakisurie, Dysurie und imperativer Harndrang sowie das Auftreten von Rezidiven.
Ergebnisse
Das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen lag bei 45 Jahren. Bereits nach drei Tagen zeigte die Interventionsgruppe eine signifikant stärkere Besserung von Pollakisurie und Dysurie im Vergleich zur Kontrollgruppe. Für imperativen Harndrang ergab sich kein signifikanter Unterschied.
Im weiteren Verlauf war die Rezidivrate nach drei und sechs Monaten in der Vitamin-E-Gruppe signifikant niedriger. Zudem verkürzte sich die durchschnittliche Genesungsdauer unter zusätzlicher Vitamin-E-Gabe signifikant.
Fazit
Die ergänzende Einnahme von 100 I.E. Vitamin E täglich zur antibiotischen Therapie war mit einer schnelleren Symptomlinderung sowie einer deutlichen Reduktion von Rezidiven bei unkomplizierter Zystitis assoziiert.
Die Ergebnisse sprechen für einen potenziellen Nutzen antioxidativer Strategien bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen. Zur Absicherung der Befunde sind jedoch größere randomisierte Studien erforderlich.
Hinweis zum Versorgungszustand von Vitamin E (Nationale Verzehrsstudie II 2008)
In der Altersgruppe vom 19. - 80. LJ. erreichen nur circa 50 % der Frauen und Männer die Zufuhr-Empfehlung. Den am schlechtesten versorgten Männern fehlen durchschnittlich circa 7 mg Vitamin E, den Frauen fehlen entsprechend circa 6 mg.
(DGE-Empfehlungen: m. 19. - 24. LJ 15 mg/Tag, m. 25.- 50. LJ. 14 mg/Tag, m. 51.- 64. LJ. 13 mg/Tag, m. 65 > LJ. 12 mg/Tag, w. 19.- 64. LJ. 12 mg/Tag, w. 65 > LJ. 11 mg/Tag).
Mafakher H, Ebrahimzadeh A, Sahebnasagh A, Ramezani M, Avan R.
Effect of vitamin E supplementation on recovery and recurrence prevention in women with lower urinary tract infections: A triple-blind randomized clinical trial.
Clin Nutr ESPEN. 2026 Februar; 71: 102876

