Eine Varikozele kann die männliche Fruchtbarkeit beeinträchtigen und wird unter anderem mit erhöhtem oxidativem Stress im Hodengewebe und in den Spermien in Verbindung gebracht. Antioxidative Nährstoffe wie Vitamin C, Vitamin E, Selen und Zink könnten oxidativen Schäden entgegenwirken und dadurch die Samenqualität unterstützen. Ziel der Studie war es, den Zusammenhang zwischen Antioxidantien aus der Nahrung, Mikronährstoffstatus, oxidativem Stress und Fertilitätsparametern bei Männern mit einer Varikozele zu untersuchen.
Methoden
Die retrospektive Kohortenstudie umfasste 900 Männer mit unterschiedlich ausgeprägten Varikozelen. Davon hatten 300 Männer Grad I, 400 Grad II und 200 Grad III.
Erfasst wurden demografische Daten, Körpermaße, Lebensstilfaktoren, Ernährungsgewohnheiten, Mikronährstoffstatus, Marker für oxidativen Stress, antioxidative Enzymaktivität, reproduktive Hormone, Spermaparameter und reproduktive Ergebnisse. Mithilfe linearer und logistischer Regressionsanalysen wurde untersucht, welche Faktoren mit Spermienkonzentration, Beweglichkeit, DNA-Fragmentierung und natürlicher Empfängnis zusammenhingen.
Ergebnisse
Ein höherer Schweregrad der Varikozele, höheres Lebensalter, ein höherer Body-Mass-Index (BMI), Rauchen sowie erhöhte Werte für reaktive Sauerstoffspezies und Malondialdehyd waren mit ungünstigeren Spermaparametern verbunden. Diese Faktoren gingen mit geringerer Spermienkonzentration, reduzierter Beweglichkeit und stärkerer DNA-Fragmentierung einher.
Demgegenüber waren höhere Aufnahmen bzw. bessere Werte antioxidativer Mikronährstoffe, insbesondere Vitamin C, Vitamin E, Zink und Selen, mit höherer Spermienkonzentration und besserer Beweglichkeit assoziiert. Gleichzeitig zeigten sich Zusammenhänge mit geringerer DNA-Fragmentierung.
In den logistischen Analysen war eine höhere Antioxidantienzufuhr zudem mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine natürliche Empfängnis verbunden. Ungünstige Faktoren wie Alter, BMI, Schweregrad der Varikozele, Rauchen und oxidative Stressmarker senkten diese Wahrscheinlichkeit. Insgesamt erreichten 30 % der Teilnehmer eine natürliche Empfängnis, 25 % nutzten assistierte Reproduktionstechniken, und die Lebendgeburtenrate lag bei 28 %. Besonders günstig erschienen die Ergebnisse bei Männern mit Grad-I-Varikozelen und höherer Antioxidantienaufnahme.
Fazit
Die Studie zeigte, dass Männer mit einer Varikozele eine beeinträchtigte Samenqualität und ein reduziertes Fertilitätspotenzial aufwiesen, wobei oxidativer Stress eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Eine höhere Zufuhr antioxidativer Mikronährstoffe war mit besseren Spermaparametern, geringerer DNA-Fragmentierung und einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine natürliche Empfängnis assoziiert.
Da es sich um eine retrospektive Beobachtungsstudie handelte, lässt sich daraus kein kausaler Nutzen einer Supplementierung ableiten. Die Ergebnisse sprechen jedoch dafür, Ernährung, Lebensstil und antioxidativen Mikronährstoffstatus bei varikozelenassoziierter männlicher Infertilität stärker zu berücksichtigen.
Hinweis zum Versorgungszustand von Vitamin E (Nationale Verzehrsstudie II 2008)
In der Altersgruppe vom 19. - 80. LJ. erreichen nur circa 50 % der Frauen und Männer die Zufuhr-Empfehlung. Den am schlechtesten versorgten Männern fehlen durchschnittlich circa 7 mg Vitamin E, den Frauen fehlen entsprechend circa 6 mg.
(DGE-Empfehlungen: m. 19. - 24. LJ 15 mg/Tag, m. 25. - 50. LJ. 14 mg/Tag, m. 51. - 64. LJ. 13 mg/Tag, m. 65 > LJ. 12 mg/Tag, w. 19. - 64. LJ. 12 mg/Tag, w. 65 > LJ. 11 mg/Tag).
Fang B, Lou H, Fu A, Yi X, Zhang W, He H, Shang X, Cheng W, Fu D.
Dietary antioxidants and micronutrient status in varicocele-associated male infertility: oxidative stress-mediated effects on semen quality.
Front Nutr. 2026 Juli; 13:1832900.

